Aufleben - Das Magazin der bayrischen Kurorte und Heilbäder - copy - copy - Flipbook - Seite 6
ERNÄHRUNG
Körper und
Seele nähren
Ernährung ist ein komplexes Thema – oder vielleicht
machen wir es auch nur komplizierter, als es eigentlich
wäre? Pfarrer Sebastian Kneipp glaubte bereits vor
200 Jahren an das, was wir heute „clean eating“,
also „sauberes bzw. reines Essen“, nennen.
Text: Rebecca Müller
ut und gesund zu essen, tue Körper und
Seele gut, war Pfarrer Sebastian Kneipp
überzeugt. Den meisten ist der Gesundheitspionier, geboren 1821 in Stephansried
in Oberschwaben, wegen der von ihm
entwickelten Kneippkuren ein Begriff.
Seine Philosophie in Hinblick auf Gesundheit und
Wohlbefinden war aber stets eine ganzheitliche. Ernährung verstand er als Teil seiner Therapie, neben
den Wasserbehandlungen, der Bewegung, der inneren
Ordnung und Kräuterheilkunde.
Kneipps Empfehlung in Bezug auf Ernährung
lautete: „Eine einfache, gut verdauliche, reizlose Kost.“
Klingt nicht besonders spannend? Klingt sogar ein
bisschen langweilig? Nein – findet Marcus Müller,
Küchenchef im Kneipp-Kurhaus St. Josef in Bad
Wörishofen. Im Grunde empfahl Kneipp, was wir heute
„clean eating“ nennen. „Es geht darum, möglichst
naturbelassene Produkte zu essen. Man verzichtet auf
industriell verarbeitete Lebensmittel und Fast Food“,
erklärt Müller.
G
„Es geht
darum, möglichst naturbelassene
Produkte zu
essen.“
Marcus Müller
Küchenchef
Bad Wörishofen
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„TRENDIG“ SEIT 1821
In der Praxis bedeutet das: Vollkorn- statt Weißmehl,
Honig statt raffiniertem Zucker, dazu viel Obst und
Gemüse. Kräuter und hochwertige Gewürze sorgen
für Geschmack, für Salz gilt wie für Fleisch, Fisch und
Genussmittel: gerne, aber in Maßen. Dass Genuss
zum Leben gehört, wusste und lebte auch Sebastian
G E S U N D E S B AY E R N
„Thymian und andere mediterrane
Kräuter wirken antibakteriell und
entzündungshemmend.“
Marcus Müller
Kneipp, betont Küchenchef Marcus Müller. „Wer die
historischen Fotos betrachtet, denkt: Der Mann war
gut gebaut und kein Kostverächter. Ständig über die
Stränge geschlagen hat er aber nicht, die Balance war
ihm wichtig.“
Zu einer ausgewogenen Ernährung gehörten
für Sebastian Kneipp auch regionale und saisonale
Produkte – wiederum ein Aspekt, der auch heute bei
Ernährungsexpertinnen und -experten voll im Trend
liegt. In der Küche von Marcus Müller bedeutet das im
Alltag: „Bei uns kommt das Mehl aus dem Allgäu, der
Spargel aus Schrobenhausen und im Winter verwenden
wir keine eingeflogenen Erdbeeren, sondern Quitten.“
RAPSÖL STATT BUTTERSCHMALZ
Viel Wert legt Küchenprofi Marcus Müller auch auf
hochwertige Öle. „Im 19. Jahrhundert hat man viel mit
Butter und Schweineschmalz gekocht. Wir setzen heute